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Abschlußstatistik

Hier noch ein kurzer Beitrag für die Statistiker unter Euch:

Insgesamt verlebte ich 171 spannende Tage auf dem afrikanischen Kontinent, weitere zwei auf dem Asiatischen.

Insgesamt habe ich genau 3347 Mal den Auslöser meiner Kamera gedrückt, also 17,7 Mal pro Tag. Dies tat ich vor allem auf meinen Reisen:

Insgesamt legte ich in Ostafrika 13.916 km zurück, die meisten davon natürlich im großen Tansania (11.897 km). Dabei benutze ich auf „Safari“ sehr viele verschiedene Vehikel. Leider konnte ich nur 2727 km mit Eisenbahnen zurücklegen, da auf den meisten noch vorhandenen Strecken der Personenbetrieb wegen der großen Konkurrenz der Autobusse eingestellt wurde. Auch Fahrten mit dem Schiff sind immer ein Erlebnis, neben den großen Schiffen auf den Seen und auf dem indischen Ozean (802 km) bleiben mir die 48 abenteuerlichen Dhau-Überfahrts-Kilometer nach Sansibar wohl immer in Erinnerung. Mit Bussen, Minibussen, Pickups, Trucks oder Motorädern bezahlte ich für 10.065 km, nur 276 km schaffte ich es zu trampen.

Interessant sind natürlich auch die Kosten eines solches Aufenthaltes:

Ganz genau kann man den finanziellen Aufwand natürlich nicht so einfach beziffern, denn schon im Vorfeld entstehen ja ein Haufen an Unkosten. In der Summe der gesamten Ausgaben, 4512,02 Euro, habe ich hier deswegen nur die Impfungen (ca. 200,00 Euro) und den Flug (841,00 Euro) mit einberechnet. Neben den allgemeinen Lebenskosten für 6 Monate (ca. 2241,15 Euro, so hoch, weil monatliche „Unterkunft-Spende“ an Hisani beinhaltend) habe ich mein Konto vor allem für Ausgaben auf Reisen geplündert: Insgesamt 1229,87 Euro. Im Durchschnitt habe ich also nur 20,29 Euro am Tag ausgegeben. Relativ wenig, wenn man bedenkt das hier neben Spenden an Hisani auch die teuren touristischen Unternehmungen wie Safari, Rafting und Vulkanbesteigung einberechnet sind.

Bei allem hin und her gerechne, letztlich spielt es keine Rolle wie viel Geld man ausgegeben, wie viele Kilometer man gereist und wie viele Bilder man geschossen hat. Wichtig ist doch nur, dass man mit vielen besonderen Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen nach Hause zurückkehrt und sie am besten mit vielen Mitmenschen teilt. Für ein besserer Verständnis der Menschen untereinander…

Wenn einer eine Reise tut dann kann er was erzählen…

Nun bin ich also wieder zurück.

Das ist ein ganz komisches Gefühl. Denn irgendwie spüre ich, dass ich hier nicht hingehöre. Manchmal denke ich auch, ich träume. Und doch, ich bin zurück und brauche wahrscheinlich nur wenig (mehr) Zeit, um mich hier wieder ein zu finden.

Von vielen Erlebnissen habe ich hier auf meinem Blog berichtet, viele Eigenheiten des afrikanischen Kontinents beschrieben. Und doch ist dies längst nicht alles, was ich neben meinem super schweren Rucksack aus Ostafrika mitgebracht habe. Die Erfahrungen, Glücksmomente, Begegnungen, Tiefs, Erlebnisse sind so vielfältig, dass sie mich wohl noch lange begleiten und immer ein wenig sehnsüchtig nach der weite der Welt machen werden…

Ich hoffe, dass dieser Blog Euch zumindest ein wenig näher gebracht hat, was mich in diesen letzten sechs Monaten bewegt hat. Darüber hinaus hoffe ich aber auch, ein wenig (Ost) Afrika in die weite Welt transportiert zu haben. Denn ich denke, man kann besonders auf dem „vergessenen“ Kontinent viel lernen, was uns in der westlichen Welt vielleicht noch nie in den Sinn oder abhanden kam. Man muss beim Stichwort Afrika eben nicht immer sofort an Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit denken. Leider hat nicht jeder hat die Möglichkeit nach Afrika zu reisen, deshalb, vielleicht haben ja meine Randgeschichten ein wenig zum besseren Verständnis der Menschen, der Kulturen und den Problemen hier beigetragen.

Nachdem ich nun meine Berichte noch mal alle las, fiel mir auf, dass ich wenig von Schwierigkeiten, negativen Erlebnissen oder allgemeinen Missständen berichtete. Natürlich gab es Situationen, die nicht schön waren, gab es Probleme und Zweifel. Darüber lässt sich, so finde ich besser persönlich reden und diskutieren. Insgesamt machte ich aber viel mehr positive Erfahrungen und Situationen. Insofern spiegelt dieser Blog durchaus ein realistisches Bild wieder, auch wenn es manch einer nicht glauben mag.

Außerdem sind die Medien genug mit schrecklichen Nachrichten gefüllt, ich wollte bewusst hier dem etwas entgegen setzen.

Nicht zuletzt war mein Ziel mit diesen Berichten aber auch, Euch daheim zu ermutigen, den Schritt in die weite Welt zu wagen!

Denn…

“Viel zu spät begreifen viele

Die versäumten Lebensziele:

Freude, Schönheit der Natur.

Gesundheit, Reisen und Kultur,

Darum Mensch, sei zeitig weise!

Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!“ (Wilhelm Busch)

Zurück in Deutschland...

Zurück in Deutschland…

Zwischenstopp in Dubai

Zuerst: ich bin wieder gut im kalten Deutschland gelandet!

Allerdings mit ein wenig Schwierigkeiten, denn aufgrund von ein paar Pannen am Dubaier Flughafen hab ich meinen zweiten Teil Rückflug knapp verpasst und hatte so die Möglichkeit, nicht nur Dubai auch ein wenig bei Nacht zu erobern, sondern mir auch mit viel Zeit das neue futuristische Terminal 3 genau anzuschauen.

Zuvor hatte ich aber zwei wunderbare Tage mit Thomas (meinem ehemaligen Mitbewohner) und seiner Freundin Doro: Eigentlich war es ein echter Film. Ich fand mich nur einen Tag nach meiner Ausreise aus dem ärmlichen Tansania am nächsten Tag in einem Offroad Neuwagen wieder, in dem ich große Dünen in der Wüste der UAE rauf und runter heizte. Das ist nämlich Thomas Job in dem nördlichen Emirat Ras al Khaimah, er erkundet mögliche Touristenrouten in der Wüste und zeichnet sie per GPS so auf, dass sie später von Interessierten auf einer Website herunter geladen und für einen bequemen Ausflug genutzt werden können. Wir hatten echt viel Spaß und blieben (aufgrund meiner zuletzt mangelnden Fahrpraxis) auch einmal stecken. Aber auch in der Wüste ist ein Wagenheber praktisch…

Ein Erlebnis besonderer Art war dann der Wetterumschwung in der Wüste, denn der folgende Regen (!) fällt hier höchstens einmal im Jahr.

Aber auch für meinen Magen wurde es hier turbulent, nach 6 Monatiger Pause schmeckten z.B. die libanesischen Spezialitäten geradezu göttlich!

Am nächsten Tag gings dan ganz früh nach Dubai, um dem morgendlichen Verkehrschaos zu entgehen.. Und es lohnte sich, so sah ich (auch Dank Thomas guter Ortskenntnis) innerhalb eines Tages fast alles was es in Dubai zu sehen gibt: Alles überragend der Burj Dubai, mit über 800 m schon jetzt das höchste Gebäude der Welt. Und „die Palme“, ein Palmenförmiges Resort welches vor der Küste aufgeschüttet wurde und voll mit dem Auto befahrbar ist.

Faszinierend waren auch zwei riesige Aquarien, in denen ganze Rochenschwärme umher ziehen und sogar Haiwale zu sehen sind!

Welch krasse Gegensätze zu Tansania: Unglaublicher Reichtum überall in einem so kleinen Land. Und trotzdem so gut wie keine Kriminalität. Überall neuste Autos und Essen im Überfluss, riesige Bauprojekte (20% aller Baukräne der Welt stehen in den Emiraten!) und überhaupt – Superlative an jeder Ecke. Einzig das Klima, angenehm war, erinnerte mich noch an Tansania…

Abschied aus Tansania

Nun ist sie also vorbei, meine Zeit in Tansania und Ostafrika. Schweren Herzens verlasse ich nun mein Heimat, mein so liebgewonnenes Buswelu, meine mir ans Herz gewachsenen Kinder im Hisani-Center, meine Freunde in Mwanza und alles was so wunderbar anders ist also bei uns in Deutschland.

Fuer die Kinder im Hisani bereitete ich mit Hilfe von Walburga und Hannah ein besonderes Essen mit Soda zu: In stundenlanger Arbeit wurden 50 kilo Kartoffeln zu Chips (Pommes) verarbeitet und frisch frittiert (ueberm Feuer natuerlich!). Wunderbar wie sich alle bedankten und mir am Schluss ein Buechlein mit Bildern und vielen guten Wuenschen ueberreichten. Von den aelteren Jungs, die nun zur Secondary School nach Dar gehen werden, hatten wir uns schon mit einem Pizzaessen (zubereitet auf einem selbstgebauten PizzaFeuerOfen!) verabschiedet.

Und viele andere Freunde kamen zu meinem Abschiedsessen in der Stadt oder sogar zum Bahnhof (nach immer wieder upgedateter Abfahrtszeit).

Nach einem Zwischenstopp in Dubai bei meinem ehemaligen Mitbewohner Thomas, werde ich a, 20.01 also wieder in Frankfurt deutschen Boden betreten. Ich bin aber sicher, dass ich noch ein paar Ein – und Nachtraege machen werde, denn auch in Dubai werde ich wohl berichtenswertes erleben…

Hier also noch der (fuer den Zugfan) obligatorische Bericht von meinem voerst letzten Erlebnis auf dem afrikanischen Kontinent. Nachdem ich mich in der letzten Woche von den verschiedenen Menschen, die mich in den 6 Monaten hier begleiteten, verabschiedet hatte, wollte ich am letzten Do Abend endlich die ehemalige Deutsch-Ostafrikansiche Mittellandbahn richtung Dar es Salaam besteigen. Wie nicht uneueblich hatte diese jedoch soviel Verspaetung, dass es sich sogar lohnte, nochmal nach Hause nach Buswelu zu fahren und dort zu uebernachten. Auch am naechsten Morgen kam der Zug noch nicht, erst am Nachmittag mit 19 std Verspaetung gings dann los. Inzwischen machte ich mir etwas sorgen, denn mein Rueckflug war am Sonntag Abend gebucht und fuer die rund 1350 km braucht der Zug normalerweise 40 std. Egal, wie immer war ich optimistisch.

In manchmal nur Schritttempo gings vorbei an vielen alten Bahnhoefen aus deutscher Kolonialzeit, an reisigen Baobabbauemen und vielen umgekippten Gueterwaggons, die aufgrund ihres Gewichtes nach Zugungluecken nicht geborgen werden koennen. Ich hatte mit drei Freunden 2Klasse sleeping gebucht, fuer so eine lange Fahrt sicher eine gute Wahl, denn die 3 Klasse war voellig uberfuellt. Allerdings begegeten uns auch hier viele Kakerlaken, die sich an unseren Essensresten erfreuten. In der zweiten Nacht kamen dann auch noch Ratten hinzu, die auch wahrend der Fahrt keine Hemmungen zeigten und uns nicht sehr ruhig schlafen liessen. Aber auch auch aus anderen Gruenden waere diese Fahrt wohl fuer die meisten Deutschen eher ein Negativerlebnis: Als ich an einem Bahnhof nach dem Ortsnamen fragte, wurde ein vermeintlicher Dieb auf die Wazungus (Weissen)  im Zug aufmerksam, und klettert (wie ich begeistert beobachten konnte) nach Abfahrt der Zuges mit viel Geschick auf unser Waggondach. Wie uns der Schaffner erklaerte, war er sicher nicht der einzige Schwarzfahrer dort oben mit dem Ziel, in der Nacht (bei voller Fahrt) unsere Rucksaecke aus dem Zugfenster zu ziehen. Wir hatten jedoch vorgesorgt uns das Fenster mit zwei Holzstaeben ordentlich verrammelt!

Bei einer so langen Fahrt gibt es einige Mahlzeiten zu bestreiten. Einige Male liessen wir uns, nachdem der Koch das Dinner mit einer Glocke angekuendigt hatte, das Essen auf unser Abteil bringen, ein anderes mal sassen wir im Restaurantwagen und genossen den wunderbaren Fisch mit Reis oder Ugali. Fuer die 3 Klasse haelt der Zug aber auch gelegentlich an bestimmten Bahnhoefen, wo (meist) das ganze Dorf darauf vorbereitet wartet, bis der Zug dann endlich kommt und das grosse (2x woechentliche) Geschaeft beginnen kann. Auch diese Stopps sind nicht nur ein kulnarisches Erlebnis!

Ueberhaupt, die Zugestrecke erscheint wie eine lange Handelsstrasse: An jedem Bahnhof und Stopp wir ge- und verkauft, fuer uns manchmal unverstaendlicherweise jedoch immer nur eine regionaltypische Ware. Nach einer solchen Zugreise kann man vollausgestattet mit Mais, Honig, Freuchten aller Art, Teppichen, Oefen, Koerben, Schnitzereien, und sogar Stuehlen ( nur sofern es der Platz im Abteil oder Wagen ueberhaupt zulaesst)in Dar ankommen.

Oh, man koennte so viel noch berichten, natuerlich bin ich auch ein kleines Steuck beim Lokfuehrer mitgefahren…

Nach uber 45 Std Fahrt und mit insgesamt 28 Std Verspaetung kamen wir dann jedenfalls in Dar an. Perfekt fuer mich, denn nach einer kleinen Staerkung in der Stadt fuhr ich direkt zum Flughafen und hob wenige Stunden schon gen noerdliche Halbkugel ab…

…leider muss ich nun unerhoffter- aber erwarteterweise doch noch einen zweiten Teil zum Thema Gesundheit schreiben:

Afrika stellt fuer jeden Europaer eine gesundheitliche Herausforderung dar. Das liegt ganz einfach an den anderen klimatischen Bedingungen, aber auch an der Existenz von bei uns nicht vorhandenen oder ausgerotteten Krankheiten und nicht zuletzt an den anderen hygienischen Bedingungen. So haben wir Volontaere bisher immer die Erfahrung gemacht, dass egal aus welchem Grund man ins Krankenhaus faehrt, immer noch etwas anderes entdeckt wird. Nachdem ich ja schon ganz am Anfang meiner Zeit hier Bekanntschaft mit der Malaria machen durfte, wurden bei meinen weiteren Besuchen nebenbei so schoene Sachen wie Hautinfektionen oder Wuermer gefunden. Meistens war ich wegen einem Malariatest dort hin gegangen.

Leider hatte ich zusaetzlich zu diesen „Kleinigkeiten“ dann aber auch ausfuehrlicher mit Krankenhauesern zu tun: Bei unserem Zwischenseminar im Sueden plagte mich hohes Fieber und totale Erschoepfung. Nachdem in verschiedenen Hospitals in Dar und Peramiho (beides sehr renomierte und wirklich gute Haeuser) drei Malariatests negativ ausfielen, stellte sich erst spaeter heraus, dass meine Weisheitszaehne fuer diesen Zustand verantwortlich waren. Abgesehen von dem „wilden Antibiotika“ Cocktail der mir dann verschrieben wurde, waren diese Erfahrungen nicht schlecht und eher interessant.

Das System in Hospitals ist immer gleich: Zuerst muss gezahlt werden, dann wird untersucht (meist mit langen Wartezeiten dazwischen). Die letzte Station ist meistens die Hauseigene Apotheke, wo es die meist subvetionerten und obligtoisch verschriebenen Medikamente gibt. Immer wiede erstaunlich sind die Preisunterschiede: Ein Malariatest kostet z.B. in Buswelu ca 500 Shilingi (28 ct) waehrend man im Aga Khan Hospital in Dar fuer die gleiche Aktion 3500 Tsh zahlt.

Meine Erfahrungen sollten jedoch kein Grund sein nicht nach Afrika bzw. Ostafrika zu kommen. Die vielen Erlebnisse und Erfahrungen einer Reise auf diesen Kontinent sind das Risiko solcher kleinen Nebenerscheinungen alle mal wert. Dies gilt besonders wenn man laenger im Land bleibt und sich die Zeit nimmt mehr von ihnen zu machen. Hinzu kommt, dass man als Weisser in der Regel auch das noetige Kleingeld fuer eine gute medizinische Versorgung besitzt, sodass man gesundheilich wohl selten wirklich mit dem Leben bedroht ist…

Afrikanische Gedankenfetzen…

…welche ich aufgrund meiner begrenzten Zeit hier nicht mehr zu ganzen Eintraegen verarbeiten kann, wie urspruenglich geplant. Trotzdem finde ich einiges davon berichtenswert, deshalb hier eben nur als kurze Notizen…

Gästebücher:

Sind hier vorgefertigte Buecher, in denen Informationen ueber Name, Nationalitaet, Tribe (Stamm, hier besonders wichtig, ich schrieb immer Preusse oder Germane ein…) und Beruf des Gastes festgehalten werden. Kurz nach meiner Ankunft fuhr Fred mit mir in der Gegend umher und stellte mich stolz den verschiedenen Bezirksbuergermeistern vor. Immer folgte dann ein solcher Gaestebucheintrag. Auch als ich wegen des Tournaments bei der Buswelu Secondary School vorstellig wurde musste ich mich eintragen. Und einige Male bekam ich ein solches Buch auch nach einen Essen in einem Restaurant vorgelegt…

Fahrrad:

Ja, berichtenswert waere sicherlich meine beste Errungenschaft gewesen: Ein Afrikanisch(es)-Mobil, welches mich (zumindest hier in Buswel) mobil machte. Nachdem ich ja vergeblich versucht hatte ein gebrauchtes Rad zu kaufen (kostet hier genauso viel wie ein Neues, entscheidend ist der Gebrauchswert!) sammelte ich alle verschiedenen alten Fahrradteile im Hisani-Center auf und lies mir in Ermangelung von Werkzeug dann ein Fahrrad von einem „Fundi“(Handwerker) zusammenbauen. Und das fuer guenstige 3000 Shillingi (=2,80 Euro)! Seitdem braust zur Belustigung aller Dorfbewohner ein verrueckter Weisser ueber die Sandstrassen hier…

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…auf dem Weg zur Arbeit!

HIV-Test:

Aids testen in Afrika?! Ja, klingt vielleicht wagemutig oder (in meinem Fall zumindest) unsinnig, ich habs aber trotzdem gemacht. Wir haben im September Beratungstage ueber Malaria und eben Aids in einem kleinen Dorf durchgefuehrt (ich glaube ich berichtet davon). Nachdem sich viele Dorfbwohner hatten testen lassen, die Maenner kamen glaub ich nur wegen der grossen Condombox und der Gratis-Soda, haben wir Weissen uns auch einfach bei den Kankenschwestern angestellt. Der hier uebliche 3 Min.-Test war natuerlich alles andere als anonym, zum Glueck waren wir aber alle negativ. Trotzdem war ich kurzzeitig ganz schoen aufgeregt…

Wie man in Afrika Müll entsorgt…

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich die Suche nach Muelleimern in diesem Land aufgegeben habe. Und es dauerte noch laenger, bis ich lernte, auch mal z.B. die Eisverpackung auf der Strasse fallen zu lassen.

Mit dem Muell und seiner Entsorgung ist das hier naemlich so eine Sache.Ein Verstaendnis fuer die Umwelt gibt es hier ueberhaupt nicht (ich glaube, ich werde nie wieder in meinem Leben dieses wichtige Thema so komplett ausklammern koennen). Muell wird auf die Strasse, auf den Boden, unter den Tisch und in schoenster Landschaft aus dem Zug- oder Busfenster geworfen. Trotzdem ist es hier nicht so vermuellt, wie man jetzt vielleicht meinen koennte. Meistens fruehmorgens werden Wege, Strassen, Hoefe und Plaetze gefegt und gesaeubert. In Rwanda begegnete mir ja der (wohl einmalige) Cleansing Day, an dem das ganze Land die Arbeit niederlegt und alle oeffentlichen Orte reinigt.

In Afrika entsteht sicherlich (noch) deutlich weniger Muell, weil die Menschen hier oft noch sehr „natuerlich“ leben. Und wenn Muell entteht, wird er aus ekonomischen Gruenden wieder verwendet. Alles was dann noch ueberbleibt wird in einem Loch entweder vergraben oder verbrannt. Was mit empfindliche Muell passiert weiss ich (und vermutlich viele andere Menschen hier) nicht…

Afrikanische Flexibilitaet:

Afrika ist nur was fuer Flexible: So passierte es mir z.B. auf meinen Reisen ja einige Male das ich Dinge anders vorfand als behauptet oder angekuendigt. Zuege/Schiffe und Busse fahren nur einmal die Woche, dann anders oder gar nicht. Und dann steht man da… Auch auf Zeitansagen von Locals sollte man sich nicht verlassen. Fast immer werden Zeiten, Entfernungen und Preise unterschaetzt, man ist deshalb fast immer spaeter dran als erwartet, schwitzt deutlich laenger (hungernd) in einem Bus oder bezahlt einen komplett anderen Preis…

Nun endlich habe ich sie auch gesehen: die weltberühmte Serengeti, Simba, Tembo und ihre Kollegen und natürlich auch den ungewöhnlichen Ngorongoro-Krater.

 

Und ich hätte nicht gedacht, dass diese letzte zum Abschluss meiner Zeit hier „echte“ (nach unserem deutschen Wortgebrauch; Safari ist eigentlich Kiswahili für Reise) Safari so ein besonderes und eindrückliches Erlebnis werden würde.

 

Zur vermeintlich besten Zeit (nach der kleinen Regenzeit und vor der Migration) und deswegen hoher Tierdichte konnten wir so viele Tiere sehen, dass ich hier nicht alle aufzählen kann. Der Wunsch eines jeden Serengeti-Besuchers sind natürlich die „big 5“, (Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard sind die am Überlebensstärksten Tiere hier) welche wir alle z.T. sehr nah sehen und erleben konnten. Das ist sehr ungewöhnlich, denn der Leopard (nur Nachts aktiv) und das Nashorn (stark bedroht, im Park gibt es nur 25 Tiere) sind selbst von erfahrenen Guides nicht so leicht auf zu spüren. Nicht weniger beeindruckend waren die vier Begegnungen mit den Elefanten (welche einmal in einer großen Herde direkt an uns vorbeizogen) und den Löwen, die wir z.B. beim Verspeisen einer Zebra-Beute erlebten.

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Nicht zu vergessen Unmengen von Zebras, Giraffen, Hyänen und Gnuherden.

Mein persönliches Highlight war die längere Beobachtung einer Gepardmutter mit zwei Jungtieren: Als eine Gruppe Zebras erst sehr nah am Rastplatz der Raubkatzen Witterung aufnahm, kam es zu spannungsvollen Minuten, bis erstaunlicherweise die Geparden das Feld räumten. Zu unserem Glück, denn dann konnten wir erleben, wie die Mutter ihren Jungen das Jagen beibrachte: Immer wieder griffen sie eine Gnuherde an, die ihrerseits sehr offensiv auch die Geparden einschüchterten. Das sind spannungsvolle Szenen mit dem Fernglas in der Hand…

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All dies erlebten wir in so besonderer und gegensätzlicher Landschaft: Die unglaubliche Weite der Serengeti ist nicht zu beschreiben, man muss sie fühlen. Dagegen besticht der Krater eben besonders durch seinen umgebenden Kraterrand und seine Geschlossenheit (die ihn auch so besonders für die Tierwelt macht).

Zu dieser wunderbaren Safari gehörte aber auch eine super Truppe (neben Johannes und Cornelia waren noch 4 gut befreundete Volontäre dabei) und Charles, unser Fahrer, der durch seine immer noch vorhandene Begeisterung für diese Tiere und seinen guten „Riecher“ erst überhaupt die Tiere für uns entdeckte…

 

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Und schönerweise sind wir nun auch alle heil zurück, denn wir hätten durchaus auch selbst Beute werden können: Da wir unsere Zelte an Plätzen/Camps aufschlugen, welche genauso selbstverständlich auch von den Wildtieren genutzt werden bekamen wir immerhin von einem Löwen (so wurde uns erzählt), einem Elefanten (der unser Wasser trank) und von unzähligen Hyänen Besuch. Und am letzen Abend knabberte ganz plötzlich ein großes Wildschwein an meiner Hose. Nach dieser Erfahrung bin auch ich nicht mehr Nachts auf die Toilette!

Zunaechst moechte ich Euch allen am Neujahrstag

 

ein gutes Neues Jahr wuenschen!

 

 

Es gibt schon wieder soviel zu berichten dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll.

Nach dem wirklich schoenen Weihnachtstagen, kamen am Fr dann mit 38 stuendiger Verspaetung Johannes (mein 11 jaehirges Patenkind aus Bielefeld) und seine Mutter Cornelia mit dem Zug an. Als wir am naechsten Tag dann das Hisani-Center besuchten, war es wirklich sehr interessant und schoen zu sehen, wie die Kinder auf ein (noch zuvor gesehenes) Mzungu-Kind reagierten: Alle wollten mit ihm sprechen bzw kommunizieren, wollten wissen wie es z.B. in Deutschland oder dort in der Schule ist. Und Johannes ist wirklich super, zeigt so gar keine Scheu und Muedigkeit bei all den vielen neuen Eindruecken, interessiert sich fuer so vieles und hat in wenigen Tagen schon soviel „praktisches“ Englisch und sogar ein wenig Swahili gelernt!

 

In den letzten Tagen konnten wir dann ein weiteres kleines Projekt hier umsetzen: Cornelia ist Aerztin und so ergab sich die Chance, dass viele (leider nicht alle, das war bei 85 Kindern einfach nicht moeglich) Hisania-Kinder in den „Genuss“ eines (normalerweise viel zu teueren) persoenlichen Arzttermins kommen konnten. Dabei wurden die Kids auf ihreSeh- und Hoerfaehigkeit, sowie auf Mangelernaherung, Entzuendungen und allgemeine Beschwerden untersucht. Und auf vorbereiteten Papieren hielten wir diese Informatioen fuer die Zukunft fest. Meine Hofnung ist, diese „Akte“in Zukunft noch mit weiteren Informationen zu fuellen, denn es gibt absolut keine Daten ueber die Kinder, bei vielen ist die Herkunft, das korekte Alter und bei einigen sogar der richtige Name unbekannt.

 

Morgen geht es dann endlich auf die obligatorische Safari in die Serengeti und in den Ngorongoro-Crater. Bin gespannt, ob wir die „Big Five“ (Elefant, Nashorn, Löwe, Büffel und Leopard) alle zu Gesicht bekommen und vielleicht sogar mit Glück die grosse Migration hautnah erleben werden…

 

In meiner Zeit hier in Tansania, ganz besonders auf Reisen, bin ich immer wieder auf Relikte aus deutscher Kolonialzeit gestossen. Auch wenn das damalige „Deutsch-Ostafrika“ nur 28 Jahre existierte, kann man ueber 100 Jahre spaeter noch in vielen Doerfern und Staedten z.B. sogenannte Bomas (German Bomas) sehen, Gebaeude,die zuerst zur Durchsetzung der Kolonialherrschaft von Militaer und spaeter von der Zivilverwaltung genutzt wurden. Noch heute werden diese „unverwuestlichen“ Kolonialgemauer oft noch von Verwaltung und Militaer genutzt.

Wohl noch viel wertvoller sind zwei andere technische Hinterlassenschaften aus der deutschen Zeit, welche noch heute intakt und zu benutzen sind: Die sogenannte Deutsch-Ostafrikanische Mittellandbahn (heute Central Railway) von Dar es Salaam nach Kigoma am Lake Tanganyika ist wichtiges Transport- und Verkehrsmittel im zentralen Tansania.

Noch heute rollen die Zuege ueber die Schwellen von Hoesch und Krupp, viele Bahnhofsgebauede im preussisch-wilhelministischen Stil, besonders das imposante in Kigoma, sind noch erhalten und zeigen, mit welchem (finanziellen) Aufwand dieses Bauwerk errichtet wurde.

Und die heutige MV Liemba (frueher Graf von Goetzen) versorgt seit 1915 noch immer die entlegenen Doerfer am Tanganyika See. Die Geschichte dieses Schiffes ist sehr bewegt, denn nachdem es im 1. Weltkrieg wichtige militaeriche Dienste geleistet hatte, wurde es beim Rueckzug aus diesen Gebieten von den Deutschen selbst versenkt. In sehr gutem Zustand und nach einem zweiten Mal am Boden des Sees, fuhr es ab 1924 unglablicherweise mit dem gleichen alten Motor und Dampfkessel bis in die 70 er Jahre!Heute wieder mit einer deutschen Maschine ausgestattet ist es immer noch das groesste Schiff auf allen afrikansischen Seen und eines der aeltesten Passagierschiffe der Welt!

Sowohl eine Fahrt mit der Eisenbahn als auch mit dem uralten Schiff sind auch deshalb eine besondere (touristische) Erlebnisse.

Auch verbliebene Ortsnamen zeugen von dieser Periode: So findet man im Malawi See eine „Wissmann-Bucht“ (benannt nach dem Reichskomissar Hermann von Wissmann) und am Tanganyika See das ehemalige „Bismarckburg“ (Kassanga). Auch heute noch abgelegen und schlecht zurreichen und deswegen noch unverstaendlicher fand hier im 1. Weltkrieg eine erbitterte Schlacht um ein Fort zwischen deutschen, belgischen und britischen Truppen statt. So begegnen einem immer wieder auch eher negative Hinterlassenschaften: Dazu zaehlen eben grosse Friedhoefe und Denkmaeler, die Zeugen von schrecklichen Kriegsschauplaetzen aus dem 1. Weltkrieg sind. Auch wenn die Erinnerung an die Kolonialzeit bei vielen Tansaniern eher positiv mit deuscher Wertarbeit und preussischer Disziplin verbunden wird, so sollte nicht vergessen werden, dass die damalige Herrschaft von Rassimus und Waffengewalt gepraegt war und hauptsaechlich der Ausbeutung dieses Erdteils diente.

(Lit.: Gabriel, J. (2007): Tansania, Sansibar, Kilimanjaro. Bielefeld: Reise Know-how. Bielefeld.)

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