Nun bin ich in den letzten Einträgen gar nicht mehr auf mein persönliches Wohlbefinden eingegangen. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass hier täglich so viele interessante, extreme und neue Dinge passieren. Da vergisst man sehr schnell, dass man doch eben noch mit einer blöden Malaria im Bett lag. Das zeigt aber auch die Normalität dieser Krankheit hier zu Lande. Malaria zu haben ist ungefähr so, als wenn man bei uns mal nen Schnupfen hat.
Ich hab mich jedenfalls von diesem „Schnupfen“ wieder gut erholt und hoffe nun, dass ich so schnell nicht wieder einen bekomme…
Und das schöne ist, es stellt sich langsam so etwas wie Alltag ein. Im Hisani-Center habe ich nun meine Aufgabe gefunden, ich unterrichte Vor- und Nachmittags verschiedene Alterstufen (hier Standards genannt) in Mathe und Englisch. Dadurch werden die Chancen auf eine gute Schulbildung und einen Abschluss deutlich erhöht, denn bei Klassengrößen von bis zu 150 Kindern pro Klasse und oft unmotivierten Lehrern in den staatlichen Schulen schaffen dies nur die wirklich starken Schüler. Die unterrichtliche Arbeit mit den Kindern macht Spaß, weil die meisten Kids wirklich etwas lernen wollen und meinen westlichen Unterrichtsstil genießen. Manchmal kommen sie auch Abends und am Wochenende und fragen „teacher, do classes standard 4…“
Und auch in meinem Haus fühle ich mich immer mehr daheim. Mit jedem Tag und jedem noch so kleinen Einrichtungsgegenstand den ich anschleppe weicht der Staub der letzten 6 Monate, in denen keine Volontäre hier wohnten… Trotz der vielen Spinnweben und des Drecks, an den man sich schnell gewöhnt, weiß ich den spartanischen Luxus eines Steinhauses, eines eigenen Zimmers und einer europäischen Toilette zu schätzen, denn ich wohne recht weit außerhalb von Mwanza und hier fast nur noch Lehmhütten. Auch wenn ich mich hier zu jeder Zeit sicher fühle, habe ich sogar einen persönlichen Massai-Krieger, der nachts Wache hält.
Nachdem ich nach einigen Wochen einen Stuhl zum sitzen organisieren konnte, bin ich nun als nächstes dabei mir einen (Schreib) Tisch zu bauen… Außerdem hoffe ich, mir aus einem der Fahrradwracks die hier im Hof rumstehen ein fahrtüchtiges Rad zusammen bauen zu können, denn dann muss ich nicht mehr jeden Morgen und Abend 25 Min. durch die sengende Sonne laufen. Das hat dann auch den Vorteil, dass nicht mehr das halbe Dorf in Aufruhr gerät, wenn ein Mzungu („Weißer“) auf dem Weg zur Arbeit ist. Meistens höre ich viele viele Male „Mzungu“ und einige der Dorfkinder begleiten mich in einer Traube ein Stück…
der massai krieger gefällt mir und aus der ferne klingt das alles sehr abenteuerlich. aber mwanza ist schon – in afrikanischen dimensionen gedacht – eine stadt, oder? weil internet, die tatsache, dass du einen stuhl auftreiben konntest und dass es fliessendes wasser für eine toilette gibt, klingt nicht so richtig nach busch… und 150 kinder pro klasse auch nicht. allein schon die tatsache klasse… aber hey, respekt! ich fand schule mit 100 bunt gemischten kindern schon beeindruckend und das war in der wüste und mehr oder weniger unter freiem himmel… ist das nicht auch sehr wusselig? und laut? aber du rockst den laden bestimmt
UND: ich musste ja schon sehr schmunzeln über dein einrichtungsgen, aber spätestens bei den fahrrädern dachte ich: timo! wurde ganz neidisch, weil das bei mir nie funktioniert, das mit dem aus fracks tolle fahrräder basteln…
sind die menschen um dich herum noch in all diese wundervollen, farbenfrohen stoffe und perlenketten gehüllt oder tragen sie mehr die zusammengestückelten kleidungsstücke aus dem westen?
so, sei gegrüsst mzungu – ich packe jetzt erst mal meinen rucksack aus, fröne dem luxus einer waschmaschine und befreie mich von dem feinstaub kopenhagens und wiens…
hab dank für den ausflug in das ferne afrika!
servus timo!
klingt sehr gut was du uns hier auf die augen drückst. werd neidisch, aber auch hier in HD lässt sichs aushalten. jetzt sinds noch 8 tage und dann gehts ja auch shcon wieder weiter in der schule. hab die ferien sehr genossen. waren mit dirk und claudi in franken zum klettern und auf dem taubertal festival. also alles nicht weit weg, aber genau so wars richtig.
freu mich dann wieder auf neuigkeiten aus dem fernen afrika.
viele liebe grüße auch von sarah.
lass es dir gut gehen, sei gut zu den kids und genieß die zeit.
gruß vom sonnenbalkon
martin