Dass ich ja schon im Vorfeld Schwierigkeiten mit dem (Einreise)Visum hatte, erwähnte ich ja bereits. Mir war schon damals bewusst, dass ich dieses irgendwann mal in ein richtiges Arbeitsvisum umtauschen müsste. Da hier ja alles ein bisschen sehr viel länger braucht, hab ich mir also gedacht, ich beginne diesen Prozess gleich zu Beginn meiner Zeit, vielleicht würde ich das passende Visum ja noch vor meiner Ausreise bekommen…
Also gings zuerst in die Stadt zum Director of Communities (ich denk so was wie der Bürgermeister…), der natürlich gerade Pause machte und erst gerufen werden musste. Nach einer hier typischen Begrüßung (5x Fragen wie der Tag war, wie es sämtlichen Verwandten geht usw.) und kurzer anschließender Vorstellung, wurde auch gleich eines der tausenden zu bearbeitenden Papiere auf dem Schreibtisch einfach umgedreht, abgetrennt und mit einer Empfehlung an das Immigration Office versehen, dass doch dieser Volontär gut für die Stadt sei und helfe usw… Mit diesem „Schnipsel“ gings dann ins besagte Immigration Office, wo Fred und ich nach kurzen, schweißtreibenden Missverständnis (wir wurden Beschuldigt illegal research of Immigrationinformations zu machen) dann zumindest die entscheidenden Informationen bekamen, wie und mit welchen Papieren ein solches Visum zu beschaffen sei.
Am nächsten Tag starteten wir in einem Internet Cafe, wo wir mit afrikanischer Geduld zwei Stunden damit verbrachten, zwei Papiere auszudrucken. Dann also wieder zum Immigration Office, wo wir per Zufall den entsprechenden Beamten vom Vortag anstatt an seinem Arbeitsplatz im nahegelegenen Restaurant antrafen. Mit dem Aussage „we are almost closing now“ wurden wir in eine Bar geschickt, um dort auf ihn zu warten. Erstaunlicherweise nach nur 10 Minuten kam er dann auch und prüfte bereitwillig alle Papiere. Er bot an, dass für günstige zusätzliche 180 US Dollar die Beamten in Dar es Salaam (dorthin müssen die Papiere geschickt werden) etwas schneller arbeiten und nur zwei Wochen brauchen würden. Wir ließen es erstmal offen und wurden wie auf Befehl von einem noblen Taxi zum nächsten Fotoladen gefahren (aktuelle Passfotos fehlten noch). Dort (eigentlich wäre dem Beamten die gegenüberliegende Hotelbar dafür lieber gewesen) machten wir dann diesen „shortcut“ aber doch klar, letztlich für 60 Dollar, weil ich feststellte, dass man auch bei solchen Geschäften handeln kann…
Auch wenn diese Geschichte so ganz lustig klingt, so denke ich im Nachhinein, dass ich anders hätte Handeln sollen. Ich weiß zwar nicht genau, ob ich auch auf anderem (mehr legalem) Wege zu meinem Visum gekommen wäre, ich hätte doch aber zumindest versuchen können, dieses korrupte System nicht zu unterstützten. Jetzt lässt es sich aber leider nicht mehr ändern, ich kann nur hoffen, dass dann irgendwann bald dieser blöde Stempel tatsächlich in meinem Pass gehauen wird und ich hier keinen Fortsetzungsbericht zu diesem Thema schreiben muss…
Hallo Timo,
hab von Fredy den Link „zu dir“ bekommen und dachte ich geb mal nen Ton von mir damit du weißt wer noch alles gespannt deinen Berichten folgt;o) Ich bin echt beeindruckt – toll das du sowas machst, ich würd mir das nie zutrauen ehrlich gesagt. Ich wünsche dir eine intensieve, lehrreiche und tolle Zeit! Freu mich auf jeden weiteren Bericht.
Liebe Grüße aus Norwich,
Anka
Backschich! Dem steh´ich ja mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber…
Das gute daran ist, dass es fast überall auf der Welt funktioniert und man gewiss sein kann, dass man nicht jedes lustige Behördenschmankerl mitmachen muss, das die Welt sich ausgedacht hat (manchmal habe ich den Verdacht, das ein oder andere Gesetz wurde einzig zu diesem Zwecke geschaffen, um damit auf krummen Wegen Geld zu verdienen: „ArbeitsBeschafffungsMaßnahmen“…).
Wirklich genervt bin ich davon aber, wenn das Ganze dann ausufert und man plötzlich ohne Grund auf der Strasse angehalten wird und man für sein Da-sein zahlen soll, wenn sie an der Grenze Geld wollen oder wenn´s um Stempel, um Konten oder Co geht (falls dir langweilig wird, kannst du ja mal versuchen in Afrika ein Konto zu eröffnen…). Da war ich bisher immer sehr eisern – selbst wenn es „nur“ um 10$ ging. Allerdings hab´ich – konträr zu deinem Gefühl grade – manches Geld mit sehr viel lautem Schreien und eisernem Warten „gespart“, wo ich mir im Nachhinein denke „hätt´ste mal lieber gezahlt, dann wär´ste ein besserer Mensch geblieben“. Weil meistens war ich danach so wütend, dass es tausend und drei Menschen abgekriegt haben, die damit gar nichts zu tun hatten…
Naja, falls das mit dem Stempel trotz viel Geld nicht klappt – hör dich doch einfach mal ein bißchen auf andere Ebene um: Es gibt sehr viele Menschen in Afrika, die so einen Stempel ganz wunderbar selber zaubern können… Häufig tut es auch irgendein anderer Stempel. Ich hatte für meine Weltreise das Stempelkarussel meines Vaters auf verschiedene Papiere gedruckt, ein paar Nieten, Tacker und abgelaufene offizielle Papiere dabei, die man dann dem Zweck entsprechend zurecht schustern konnte und … Du musst nur selbst daran glauben, dass da nicht steht „Unterlagen bearbeitet“, sondern „ich bin wichtig und darf das!“ (was auch immer das sein mag).
Hihi, und manche Afrikaner sind wie die PH-Hausmeister – die arbeiten auch nur, wenn man ihnen einen Kasten Bier hin stellt…
Irgendeinen Preis zahlt man letztlich immer und es ist nicht leicht den zu finden, der für alle beteiligten gut ist. Weil umsonst ist manchmal auch sehr teuer bezahlt…
Grüße aus good ole Germany!
Änneken