Nun bin ich schon sieben Wochen hier in Mwanza, oder besser gesagt im kleinen beschaulichen Buswelu, ca. eine ¾ Std Fahrt vom Stadtzentrum entfernt. Einige Zeit also, in der ich diese „kleine Reise“ schon oft auf mich genommen habe. Von diesen 45 Minuten will ich heute berichten:
Da ich aber meistens am so genannten Clocktower – der zentrale Verkehrsknotenpunkt in Mwanza – starte, beginne ich meine Beschreibung auch hier: Dieser zentrale Platz ist an sich schon erstaunlich, denn komischerweise als Sehenswürdigkeit beschrieben ist er ebenso spannend wie die S-Bahnstation Mannheim-Seckenheim. Bemerkenswert ist höchtens, dass es selbst hier, wie auch in ganz Mwanza keine einzige Ampel gibt! Für eine Stadt mit vielleicht sogar bis zu 800.000 Einwohnern (entspricht ungefähr der Größe Stuttgarts) zeigt es schon, dass es hier wohl eine andere pro Kopf Autoanzahl gibt! Vorbei an vielen Kolonialgebäuden der britischen Zeit, vorbei auch am wuseligen Markt, an einigen Moscheen und indischen Tempeln erreiche ich nach 10 Minuten einen weiteren Kreisverkehr. Hier komme ich grad passend und quetsche mich noch grad in ein mit wahrscheinlich 35 Leuten völlig überbesetztes DalaDala. (mein bisheriger Rekord waren 40 Leute, nur möglich, wenn Schiebetür nicht geschlossen wird und weitere fünf Menschen sich mit einer Hand und einem Bein irgendwie festhalten…). Gut, weil sonst müsste ich warten und würde mich am Ende auf dem hintersten Platz im DalaDala genauso quetschen…
Und dem nicht genug, ruft ein fürs Fahrgeld zuständiger Mann sich aus dem Fenster beugend und damit fast mehr draußen als drinnen fahrend weiteren Leuten das Fahrziel zu, um sie zum Mitfahren zu bewegen. Auch wenn der erste Teil der Strecke der geteerte und damit vermeintlich angenehmere Teil der Fahrt ist, wird dies durch unzählige Bumps (Geschwindigkeitshügel) auf der Straße gemindert. Ohne diese würden die Menschen hier aber wohl nie eine Strasse überqueren können, von sicher kann aber auch bei dieser Variante nicht die Rede sein. Nach 20 Minuten Fahrt, weil es bergauf geht quält sich der kleine Bus in Schrittgeschwindigkeit die von riesigen Felsbrocken gesäumte Straße entlang, erreichen wir den Abzweig nach Buswelu. Jetzt wird’s holprig, besonders wenn ein starker Regenschauer die Straße zuvor in ein großes Flussbett verwandelt hat. Ab hier kann man an verschiedenen Straßenecken „Fahrradtaxis“ beobachten. Diese bringen die Leute aus dem DalaDala auf einem gepolsterten Gepäckträger weiter in die entlegenen Dörfer und Stadtteile, wo eben kein Minibus mehr hinfährt. Als ich einmal in so eine Ortschaft musste, bezahlte ich 700 Tansanische Shillinge (umgerechnet ca. 40 ct) für eine 10 km weite, erstaunlich schnelle und doch bequeme Fahrt! Ein perfektes Nahverkehrssystem anderer Art, mit besseren Anschlüssen als bei uns. Ich finde dieses praktisch, man braucht zwar länger, muss aber so gut wie nie warten und sich schon gar nicht nach Fahrplänen zurichten. Natürlich ist es nicht immer angenehm, und leider auch überhaupt nicht sicher. Bisher hab ich Unfälle und Pannen aber nur im Vorbeifahren gesehen.
Kurz vor dem Ortkern Buswelu rufe ich dann laut „Schuscha“ (Stop) damit das DalaDala anhält. Oft ist es noch so besetzt dass ich es inzwischen einfacher finde, aus dem Fenster auszusteigen. Das ist sogar hier ungewöhnlich, die Leute lachen dann aber nur. Ach ja, bezahlen tut man während der Fahrt, wenn der „Fahrgastwerber“ mit dem Geld klimmpert und damit anzeigt, dass er nun kassieren will. Wenn man sich beim bezahlen afrikanisch geben will, lässt man sich aber Zeit und holt erst bei sehr forderndem geklimmper das Geld raus… Die 350 Shilingi (20ct) die kassiert werden sind recht wenig, auch hier und besonders wegen der hohen Benzinkosten. Buswelu ist daher eine sehr unbeliebte Strecke, weil man fast nichts verdient. Daher sind hier die wenigen DalaDalas auch immer sehr voll und in einem besonders schlechten Zustand.
*Hab jetzt schon bestimmt zehnmal DalaDala geschrieben, deshalb nun also noch die Erklärung für den Namen: Früher kostet eine Fahrt 5 Shilingi, was ungefähr einem Dollar entsprach. Daher rief man an der Straße einfach „Dollar, Dollar“ um mitgenommen zu werden.
Leider funktioniert diese Fahrt Nachts nicht so einfach, denn ab ca 20.00 Uhr (hier schon tiefe Dunkelheit) stellen die DalaDalas den Betrieb ein. Oft treffen wir uns in einer bestimmten Lodge/Bar, welche an der Küste mit Strand und Palmen liegt. Blöderweise liegt dieser Meetingpoint der weißen sehr weit draußen, und auch noch in der entgegengesetzten Richtung für mich. Daher ist die Rückfahrt immer sehr abenteuerlich, weil man nie weiss, wie und wann man nach hause kommt. Letzte Woche hatten ein paar deutsche Mädels nen Taxi dorthin bestellt. Also sind wir drei Jungs noch mit rein und so total gequetscht immerhin bis ins Zentrum von Mwanza gekommen. Nachdem wir den Taxifahrer überzeugt hatten, dass eine Taxifahrt ins entlegene Buswelu weit außerhalb unserer Budgets liegt bekamen wir sogar überraschenderweise noch ein DalaDala ein Stück in unsere Richtung. Mitten in der Pampa verhandelten wir dann mit zwei Motorradtaxis und schossen schließlich über holprige und dunkle Straßen bis vor unsere Haustür!