Hier nun ein Bericht von meinem zweiten großen Projekt, dem 1. Buswelu Soccer Tournament:
Ich erwähnte ja schon mal, dass der Kontakt und die Zusammenarbeit zwischen den vielen Waisenhäusern hier in Mwanza nicht so gut und von großer Konkurrenz geprägt ist. Um dies ein wenig zu verändern, kam mir die Idee ein großes Fußballturnier zwischen den verschiedenen Einrichtungen zu veranstalten.
Seit Wochen nun war ich mit meinen beiden Mit-Volontären Elena und Walburga damit beschäftigt Einladungen zu schreiben, Sponsoren zu suchen, Essen zu kaufen, Listen und Spielpläne zu erstellen und Helfer zu finden, am letzten Sa fand das Turnier dann endlich statt.
Und trotz einer so „afrika-untypisch mit tausend computer geschriebenen Listen reichlich durchdachten“ Vorbereitung kann ich davon berichten, dass es hier noch mal etwas ganz anderes bedeutet eine solche Großveranstaltung zu organisieren. Es gilt nämlich einige Variablen mehr zu berücksichtigen, z.B. ein Stromausfall, welcher mich bei dem Ausdrucken der ersten Spielplanseite überraschte und eine einstündige Fahrt in die Stadt zumindest für die nötigsten Pläne nötig machte. Oder der Getränkesponsor, der erst zwei Stunden zu spät lieferte und dann auch noch für die zugesagten Freigetränke Geld haben wollte. Und natürlich die Teilnehmer selbst, zum angesetzten Turnierbeginn um 10 Uhr waren von acht angemeldeten Teams erst vier anwesend…

Wenn man sich dann aber flexibel zeigt und einfach alles sehr gelassen nimmt, scheint sich alles doch noch perfekt in einander zu fügen: Da fast alle und alles zu spät war beschwerte sich schon mal keiner! Und die von uns angestellten Küchenfrauen, die wohl das Kochen von 300 Portionen unterschätzt hatten, teilten das Essen – zwei Stunden zu spät aber eben fast passend im ungewollt neuen Zeitplan aus. Eine weitere echte Herausforderung stellte das Austeilen der Gratis-Sodas dar, denn dank der jahrzehntelangen perfekten Marketingstrategie eines Softdrink Giganten würde sich die lokale Bevölkerung für eine Cola wahrscheinlich sogar umbringen. Und trotz dass wir alle mit einer Soda „gesegneten“ Menschen mit einem Edding markierten, reichten die Getränke lange nicht aus (wahrscheinlich, weil sich das ganze Dorf für eine Soda anstellte, was wir wiederum nicht kontrollieren konnten…).
Abgesehen von diesen „organisatorischen Erlebnissen“ gab es – so wurde mir berichtet – aber viele richtig gute und spannende Fußballspiele (insgesamt 17). Und immer wieder konnte man beobachten, wie afrikanisch-ausgelassen sich Spieler und die zahlreichen Zuschauer über jedes Tor freuten. Da wird getanzt, das Spielfeld gestürmt, ein Salto gemacht und laut geschrieen…
Leider musste ich dann später auch die manchmal negativen Seiten solcher Emotionen kennen lernen, als nämlich eine örtliche Mannschaft im Elfmeterschießen ausschied, konnte ich als zweiter Referee nur mit viel Mühe den (zum Glück) einheimischen Schiedsrichter vor der handgreiflichen Menge schützen. Aus diesem Grund hatte ich dann am Ende dieses langen Tages auch noch das Vergnügen das Finale zu pfeifen (Wazungus (Weiße) genießen hier deutlich mehr Respekt), bei großem Feld ordentlich Wegstrecke laufend und mit den hier so diskutierfreudigen Spielern auseinander setzend.
Puh…selten war ich so erschöpft.
Aber ein wirklich großer Tag für alle, der übrigens für meine Jungs von Hisani (als einzige Mannschaft ohne Schuhe spielend) mit einem echt guten 3. Platz endete!


ts. schiedsrichter sein ist doch nicht anstrengend…
wer hat gespielt? deut ich das foto richtig, dass starehe gewonnen hat?