Ich erwähnte vor längerer Zeit in einem Nebensatz mal, dass ich in einem weiteren Projekt als Baubeauftragter involviert sein werde. Nun, da sich diese Aufgabe schon dem Ende zuneigt (die Bauarbeiten sind fast beendet) möchte ich endlich mal von dieser spannenden und manchmal nicht einfachen Tätigkeit berichten:
Es geht um den Neubau von Räumlichkeiten für ein benachbartes Weisenheim (watoto wa africa). Ohne jegliche staatliche Unterstützung sind solche Vorhaben allein von größeren Geldspenden abhängig. Glücklicherweise fand sich in diesem Fall eine Organisation aus England (kidsaidtanzania.co.uk), die sich bereit erklärte, den Neubau zu finanzieren. Leider ist es auch in diesem Erdteil aber nicht unüblich Spendengelder zu veruntreuen und anders zu verwenden. Deshalb ist es meine Aufgabe, anhand von Bauplänen und Kostenübersichten die einzelnen Bauabschnitte zu protokollieren, zu überprüfen und dann nach Absprache mit den Geldgebern grünes Licht für weitere Gelder und den Fortgang der Arbeiten zu geben. Dies alles natürlich alles in guter Zusammenarbeit mit dem Direktor des Waisenheimes und dem Vorsitzenden der britischen Organisation.
Es ist wirklich interessant, wie schnell hier, wenn Geld vorhanden ist, Häuser entstehen können. In den ersten Wochen kam ich kaum mit dem mailen und Bilder machen hinterher. Und ebenso besonders war es zu sehen, mit welchen Mitteln hier gebaut wird: Die ca. 5m tiefe Abwassergrube wurde z.B. von drei Fundis (Arbeitern) in zwei Tagen gegraben, die freigelegten Felsen in mühsamer Arbeit mit Feuer! weggesprengt.
Immer wenn ich nach kleiner Radtour durch wunderbare Landschaft (der Bauplatz liegt ein wenig außerhalb) dort ankomme, werde ich von allen Arbeitern freundlich begrüßt. Und nach einem kurzen Schnack mit z.B. dem Direktor und ein paar Notizen und Fotos fahre ich dann weiter zur Arbeit zu meinen Kids. Sicherlich kommt mir bei diesem Job meine Herkunft aus einer Handwerkerfamilie zu gute.
Sicher fragt ihr Euch jetzt, wie ich schon wieder zu so einem Job kam…
Zufällig traf ich Anfang September auf einen Verantwortlichen der britischen Charity, weil er bei uns im Compound wohnte. Nach tagelangen interessanten und harten Diskussionen über Entwicklungszusammenarbeit fragte er mich kurz vor seiner Abfahrt, ob ich ihm bei einem Bauprojekt helfen könnte. Spontan sagte ich zu, auch weil er mir dafür mein heiß ersehntes Fahrrad finanzierte.
Ich weiß, man kann mein schnelles Engagement auch kritisch sehen, denn ein weißer Besserwisser entspricht sicher nicht einer sinnvollen Entwicklungszusammenarbeit. Ich hab mich aber immer mehr als „Reporter“ gesehen und eben den guten Kontakt gesucht. Und wie sich besonders im Moment zeigt (es gibt Unstimmigkeiten wegen anders verwendetem Geld) scheint ein diplomatisches Geschick für diese Tätigkeit auch nützlicher als eine fachliche Ausbildung. Letztlich möchte ich mit meinem Engagement in diesem Projekt nur versuchen, zwischen kulturellen Unterschieden in der Handhabung eines solchen Neubaus zu vermitteln. Wie erfolgreich mir dies gelingt, wird sich wohl besonders in den nächsten Wochen zeigen. Schon jetzt sehe ich es aber ganz eigennützig als eine Bereicherung in einem afrikanischen Bauprozess einbezogen gewesen zu sein.
Hier ein paar Bilder, in dieser Woche ziehen übrigens die Kinder um, obwohl es noch keinen Strom oder eine Küche gibt…
Hier noch ein paar Bilder die den Bauprozess ein wenig dokumentieren:
Als allererstes: Das Haus fuer den unabdinglichen Wachmann sowie erste Fundamente
Interessant: Landestypische Arbeitsweisen…
Fast fertig: die beiden Dormitorys



Hi Timo
mit Begeisterung lese ich in deinem Blog. da kannst du deine Erfahrung als Orga-Talent voll zur Entfaltung bringen.
Weiterhin viel Erfolg und Zufriedenheit .
Gruss
Engelbert