In meiner Zeit hier in Tansania, ganz besonders auf Reisen, bin ich immer wieder auf Relikte aus deutscher Kolonialzeit gestossen. Auch wenn das damalige „Deutsch-Ostafrika“ nur 28 Jahre existierte, kann man ueber 100 Jahre spaeter noch in vielen Doerfern und Staedten z.B. sogenannte Bomas (German Bomas) sehen, Gebaeude,die zuerst zur Durchsetzung der Kolonialherrschaft von Militaer und spaeter von der Zivilverwaltung genutzt wurden. Noch heute werden diese „unverwuestlichen“ Kolonialgemauer oft noch von Verwaltung und Militaer genutzt.
Wohl noch viel wertvoller sind zwei andere technische Hinterlassenschaften aus der deutschen Zeit, welche noch heute intakt und zu benutzen sind: Die sogenannte Deutsch-Ostafrikanische Mittellandbahn (heute Central Railway) von Dar es Salaam nach Kigoma am Lake Tanganyika ist wichtiges Transport- und Verkehrsmittel im zentralen Tansania.
Noch heute rollen die Zuege ueber die Schwellen von Hoesch und Krupp, viele Bahnhofsgebauede im preussisch-wilhelministischen Stil, besonders das imposante in Kigoma, sind noch erhalten und zeigen, mit welchem (finanziellen) Aufwand dieses Bauwerk errichtet wurde.
Und die heutige MV Liemba (frueher Graf von Goetzen) versorgt seit 1915 noch immer die entlegenen Doerfer am Tanganyika See. Die Geschichte dieses Schiffes ist sehr bewegt, denn nachdem es im 1. Weltkrieg wichtige militaeriche Dienste geleistet hatte, wurde es beim Rueckzug aus diesen Gebieten von den Deutschen selbst versenkt. In sehr gutem Zustand und nach einem zweiten Mal am Boden des Sees, fuhr es ab 1924 unglablicherweise mit dem gleichen alten Motor und Dampfkessel bis in die 70 er Jahre!Heute wieder mit einer deutschen Maschine ausgestattet ist es immer noch das groesste Schiff auf allen afrikansischen Seen und eines der aeltesten Passagierschiffe der Welt!
Sowohl eine Fahrt mit der Eisenbahn als auch mit dem uralten Schiff sind auch deshalb eine besondere (touristische) Erlebnisse.
Auch verbliebene Ortsnamen zeugen von dieser Periode: So findet man im Malawi See eine „Wissmann-Bucht“ (benannt nach dem Reichskomissar Hermann von Wissmann) und am Tanganyika See das ehemalige „Bismarckburg“ (Kassanga). Auch heute noch abgelegen und schlecht zurreichen und deswegen noch unverstaendlicher fand hier im 1. Weltkrieg eine erbitterte Schlacht um ein Fort zwischen deutschen, belgischen und britischen Truppen statt. So begegnen einem immer wieder auch eher negative Hinterlassenschaften: Dazu zaehlen eben grosse Friedhoefe und Denkmaeler, die Zeugen von schrecklichen Kriegsschauplaetzen aus dem 1. Weltkrieg sind. Auch wenn die Erinnerung an die Kolonialzeit bei vielen Tansaniern eher positiv mit deuscher Wertarbeit und preussischer Disziplin verbunden wird, so sollte nicht vergessen werden, dass die damalige Herrschaft von Rassimus und Waffengewalt gepraegt war und hauptsaechlich der Ausbeutung dieses Erdteils diente.
(Lit.: Gabriel, J. (2007): Tansania, Sansibar, Kilimanjaro. Bielefeld: Reise Know-how. Bielefeld.)