Afrikanische Gedankenfetzen…
…welche ich aufgrund meiner begrenzten Zeit hier nicht mehr zu ganzen Eintraegen verarbeiten kann, wie urspruenglich geplant. Trotzdem finde ich einiges davon berichtenswert, deshalb hier eben nur als kurze Notizen…
Gästebücher:
Sind hier vorgefertigte Buecher, in denen Informationen ueber Name, Nationalitaet, Tribe (Stamm, hier besonders wichtig, ich schrieb immer Preusse oder Germane ein…) und Beruf des Gastes festgehalten werden. Kurz nach meiner Ankunft fuhr Fred mit mir in der Gegend umher und stellte mich stolz den verschiedenen Bezirksbuergermeistern vor. Immer folgte dann ein solcher Gaestebucheintrag. Auch als ich wegen des Tournaments bei der Buswelu Secondary School vorstellig wurde musste ich mich eintragen. Und einige Male bekam ich ein solches Buch auch nach einen Essen in einem Restaurant vorgelegt…
Fahrrad:
Ja, berichtenswert waere sicherlich meine beste Errungenschaft gewesen: Ein Afrikanisch(es)-Mobil, welches mich (zumindest hier in Buswel) mobil machte. Nachdem ich ja vergeblich versucht hatte ein gebrauchtes Rad zu kaufen (kostet hier genauso viel wie ein Neues, entscheidend ist der Gebrauchswert!) sammelte ich alle verschiedenen alten Fahrradteile im Hisani-Center auf und lies mir in Ermangelung von Werkzeug dann ein Fahrrad von einem „Fundi“(Handwerker) zusammenbauen. Und das fuer guenstige 3000 Shillingi (=2,80 Euro)! Seitdem braust zur Belustigung aller Dorfbewohner ein verrueckter Weisser ueber die Sandstrassen hier…

…auf dem Weg zur Arbeit!
HIV-Test:
Aids testen in Afrika?! Ja, klingt vielleicht wagemutig oder (in meinem Fall zumindest) unsinnig, ich habs aber trotzdem gemacht. Wir haben im September Beratungstage ueber Malaria und eben Aids in einem kleinen Dorf durchgefuehrt (ich glaube ich berichtet davon). Nachdem sich viele Dorfbwohner hatten testen lassen, die Maenner kamen glaub ich nur wegen der grossen Condombox und der Gratis-Soda, haben wir Weissen uns auch einfach bei den Kankenschwestern angestellt. Der hier uebliche 3 Min.-Test war natuerlich alles andere als anonym, zum Glueck waren wir aber alle negativ. Trotzdem war ich kurzzeitig ganz schoen aufgeregt…
Wie man in Afrika Müll entsorgt…
Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich die Suche nach Muelleimern in diesem Land aufgegeben habe. Und es dauerte noch laenger, bis ich lernte, auch mal z.B. die Eisverpackung auf der Strasse fallen zu lassen.
Mit dem Muell und seiner Entsorgung ist das hier naemlich so eine Sache.Ein Verstaendnis fuer die Umwelt gibt es hier ueberhaupt nicht (ich glaube, ich werde nie wieder in meinem Leben dieses wichtige Thema so komplett ausklammern koennen). Muell wird auf die Strasse, auf den Boden, unter den Tisch und in schoenster Landschaft aus dem Zug- oder Busfenster geworfen. Trotzdem ist es hier nicht so vermuellt, wie man jetzt vielleicht meinen koennte. Meistens fruehmorgens werden Wege, Strassen, Hoefe und Plaetze gefegt und gesaeubert. In Rwanda begegnete mir ja der (wohl einmalige) Cleansing Day, an dem das ganze Land die Arbeit niederlegt und alle oeffentlichen Orte reinigt.
In Afrika entsteht sicherlich (noch) deutlich weniger Muell, weil die Menschen hier oft noch sehr „natuerlich“ leben. Und wenn Muell entteht, wird er aus ekonomischen Gruenden wieder verwendet. Alles was dann noch ueberbleibt wird in einem Loch entweder vergraben oder verbrannt. Was mit empfindliche Muell passiert weiss ich (und vermutlich viele andere Menschen hier) nicht…
Afrikanische Flexibilitaet:
Afrika ist nur was fuer Flexible: So passierte es mir z.B. auf meinen Reisen ja einige Male das ich Dinge anders vorfand als behauptet oder angekuendigt. Zuege/Schiffe und Busse fahren nur einmal die Woche, dann anders oder gar nicht. Und dann steht man da… Auch auf Zeitansagen von Locals sollte man sich nicht verlassen. Fast immer werden Zeiten, Entfernungen und Preise unterschaetzt, man ist deshalb fast immer spaeter dran als erwartet, schwitzt deutlich laenger (hungernd) in einem Bus oder bezahlt einen komplett anderen Preis…
Der Herr Timo als Preusse – das hat ein herzhaftes Lachen und Kopfschütteln aus mir herausgezaubert.
Um dein wild zusammengeschraubseltes Fahrrad beneide ich dich ja – viel aufregender als mein kleines, verbeultes Kalle (so heisst es) Fahrrad…
Bei dem Impuls Müll einfach auf den Boden fallen zu lassen musste ich schuldbewusst daran denken, dass es mir nach einigen Wochen in Ländern ohne Mülleimer ähnlich ging.
Ja und drei Minuten HIV-fix ist bestimmt aufregend. Aber sind um dich herum nicht unglaublich viele Menschen HIV-positiv? Will man das dort überhaupt wissen?
fragt sich eine Änneken in der Nacht
Liebe Grüße (mit Zahnbürste im Mund)!
Was ich noch sagen wollte:
Mein indisches Fahrrad sah – nach allem was ich auf dem Bild erkennen kann – genauso aus!
Und dort gibt es eigentlich nur eine Sorte:
Der letzte Teil vom Schutzblech ist weiß, der Gepäckträger eckig und stabil, (der muss ja auch ordentlich was tragen), der Lenker hat immer diese Form (in Indien noch mit entweder Neon-grünen oder neon-rosanen Griffen aufgesteckt) und der Ständer ist dafür gedacht, dass das schwer bepackte Rad auch wirklich stehen bleibt.
Das ganze Modell wiegt dann etwa robuste 15 Kilo, geschätzt.
Was ich bei deinem nicht sehen kann: Der seitliche, kleine Tritt am Hinterrad, damit die Frau, die hintendrauf sitzt, ihre Füsse abstellen kann und die Bremsen, die nicht per Seil, sondern ausschließlich per Stangen ihre fragliche Kraft übertragen. Licht ist natürlich nicht vorgesehen und als ich ein paar mal mit Stirnlampe auf den schlecht beleuchteten Straßen gefahren war, habe ich es lieber wieder gelassen. Der Anblick hat nur noch mehr Beinah-Unfälle provoziert.
Gegen Ende hin habe ich das Radfahren sowieso immer öfter lieber gelassen – zu oft waren große Busse ohne Vorwarnung 10 cm an mir vorbeigerauscht.
Aber du hast es anscheinend gesund überlebt, das freut mich!!!
preusse… du spinnst jawohl.
westfale häts wenigstens sein können… ich hab aber meistens rheinländer geschrieben.
mülleimer gabs in mwanza doch so ca drei. hast du die nie gesehn? und in dar werdens mehr gewesn sein…
Fick dich
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