Hier also noch der (fuer den Zugfan) obligatorische Bericht von meinem voerst letzten Erlebnis auf dem afrikanischen Kontinent. Nachdem ich mich in der letzten Woche von den verschiedenen Menschen, die mich in den 6 Monaten hier begleiteten, verabschiedet hatte, wollte ich am letzten Do Abend endlich die ehemalige Deutsch-Ostafrikansiche Mittellandbahn richtung Dar es Salaam besteigen. Wie nicht uneueblich hatte diese jedoch soviel Verspaetung, dass es sich sogar lohnte, nochmal nach Hause nach Buswelu zu fahren und dort zu uebernachten. Auch am naechsten Morgen kam der Zug noch nicht, erst am Nachmittag mit 19 std Verspaetung gings dann los. Inzwischen machte ich mir etwas sorgen, denn mein Rueckflug war am Sonntag Abend gebucht und fuer die rund 1350 km braucht der Zug normalerweise 40 std. Egal, wie immer war ich optimistisch.
In manchmal nur Schritttempo gings vorbei an vielen alten Bahnhoefen aus deutscher Kolonialzeit, an reisigen Baobabbauemen und vielen umgekippten Gueterwaggons, die aufgrund ihres Gewichtes nach Zugungluecken nicht geborgen werden koennen. Ich hatte mit drei Freunden 2Klasse sleeping gebucht, fuer so eine lange Fahrt sicher eine gute Wahl, denn die 3 Klasse war voellig uberfuellt. Allerdings begegeten uns auch hier viele Kakerlaken, die sich an unseren Essensresten erfreuten. In der zweiten Nacht kamen dann auch noch Ratten hinzu, die auch wahrend der Fahrt keine Hemmungen zeigten und uns nicht sehr ruhig schlafen liessen. Aber auch auch aus anderen Gruenden waere diese Fahrt wohl fuer die meisten Deutschen eher ein Negativerlebnis: Als ich an einem Bahnhof nach dem Ortsnamen fragte, wurde ein vermeintlicher Dieb auf die Wazungus (Weissen) im Zug aufmerksam, und klettert (wie ich begeistert beobachten konnte) nach Abfahrt der Zuges mit viel Geschick auf unser Waggondach. Wie uns der Schaffner erklaerte, war er sicher nicht der einzige Schwarzfahrer dort oben mit dem Ziel, in der Nacht (bei voller Fahrt) unsere Rucksaecke aus dem Zugfenster zu ziehen. Wir hatten jedoch vorgesorgt uns das Fenster mit zwei Holzstaeben ordentlich verrammelt!
Bei einer so langen Fahrt gibt es einige Mahlzeiten zu bestreiten. Einige Male liessen wir uns, nachdem der Koch das Dinner mit einer Glocke angekuendigt hatte, das Essen auf unser Abteil bringen, ein anderes mal sassen wir im Restaurantwagen und genossen den wunderbaren Fisch mit Reis oder Ugali. Fuer die 3 Klasse haelt der Zug aber auch gelegentlich an bestimmten Bahnhoefen, wo (meist) das ganze Dorf darauf vorbereitet wartet, bis der Zug dann endlich kommt und das grosse (2x woechentliche) Geschaeft beginnen kann. Auch diese Stopps sind nicht nur ein kulnarisches Erlebnis!
Ueberhaupt, die Zugestrecke erscheint wie eine lange Handelsstrasse: An jedem Bahnhof und Stopp wir ge- und verkauft, fuer uns manchmal unverstaendlicherweise jedoch immer nur eine regionaltypische Ware. Nach einer solchen Zugreise kann man vollausgestattet mit Mais, Honig, Freuchten aller Art, Teppichen, Oefen, Koerben, Schnitzereien, und sogar Stuehlen ( nur sofern es der Platz im Abteil oder Wagen ueberhaupt zulaesst)in Dar ankommen.
Oh, man koennte so viel noch berichten, natuerlich bin ich auch ein kleines Steuck beim Lokfuehrer mitgefahren…
Nach uber 45 Std Fahrt und mit insgesamt 28 Std Verspaetung kamen wir dann jedenfalls in Dar an. Perfekt fuer mich, denn nach einer kleinen Staerkung in der Stadt fuhr ich direkt zum Flughafen und hob wenige Stunden schon gen noerdliche Halbkugel ab…